Kann man einen Schüleraustausch selbst organisieren?
Prinzipiell ist es möglich, einen Schüleraustausch privat zu organisieren. Wie erfolgreich das ist und wie viel Zeit man dafür aufwenden muss, hängt jedoch vom jeweiligen Zielland ab. Oft erweist es sich als die bessere Lösung, das Self-Placement über eine spezialisierte Austauschorganisation zu machen, da professionelle Mitarbeiter die bürokratischen Hürden übernehmen, während ihr die gewünschte Gastfamilie selbst mitbringt. Dennoch solltet ihr die große Verantwortung nicht unterschätzen. Wenn das Zusammenleben vor Ort schwierig ist, bedeutet ein nötiger Gastfamilienwechsel bei einem privat organisierten Schüleraustausch oft einen emotionalen Bruch, da die persönliche Freundschaft leidet und das schützende Auffangnetz einer neutralen Agentur fehlt.
Selbst organisieren
Ein selbst organisierter Schüleraustausch ist zwar grundsätzlich realisierbar, jedoch ist der Planungsaufwand in der Regel erheblich höher, da alle Details von der Schulplatzsuche bis hin zum Visum eigenständig koordiniert werden müssen. Entgegen der häufigen Annahme ist dieser Weg nicht zwingend kostengünstiger und eine wertvolle organisatorische Absicherung sowie ein fester Ansprechpartner vor Ort fehlen.
Abhängig von dem Zielland
Ob ein selbst organisierter Schüleraustausch gelingt, hängt maßgeblich von den spezifischen Vorgaben des Ziellandes ab: Während Vorhaben innerhalb der EU trotz des hohen Planungsaufwands meist umsetzbar sind, lohnt sich die Eigenregie in den USA als Spitzenreiter der Beliebtheitsskala finanziell oft nicht.
Kosten günstiger? Schulgeld
Nicht zwingend ist der selbst organisierte Schüleraustausch günstiger. In den USA z.B. gibt es zwei Visakategorien für den Schüleraustausch:
Wer die USA auf eigene Faust erobern möchte, muss sich auf einen umfangreichen Papierkram und finanzielle Hürden einstellen. Für das nötige F1-Visum verlangen staatliche Schulen verpflichtende Schulgebühren, die je nach Schulbezirk (School District) stark variieren und zwischen 12.000 € und über 30.000 € liegen können. Die größte bürokratische Hürde ist dabei oft das I-20 Formular, das die US-Schule ausstellen muss – ein Dokument, mit dem viele Schulleitungen vor Ort aufgrund von mangelnder Erfahrung zunächst überfordert sind. Da zudem nur Schulen mit einer speziellen SEVIS-Registrierung (an die das Heimatschutzministerium angebunden ist) internationale Gäste aufnehmen dürfen, verwandelt sich die Suche oft in eine detektivische Recherchearbeit, die von den Eltern viel Geduld und Hartnäckigkeit erfordert.
Bei einem J1 Visum werden die betreffenden Schulgebühren erlassen, allerdings wird das J1 Visum nur an Teilnehmende von Austauschorganisationen vergeben, sodass man hier nur mit einer Organisation dran kommt.
Abgesehen von den USA kann es natürlich doch möglich sein, dass ein selbst organisierter Schüleraustuach günstiger sein kann, trotzdem sollte man sich diesen Schritt gut überlegen.
Familie und Freunde
Oftmals ist der Wunsch, sein Kind in eine befreundeten Familie oder auch bei der Verwandschaft im Ausland unterzubringen. Grundsätzlich ist dies zu begrüßen, jedoch sollte man neben den organisatorischen Punkten und finanziellen Gesichtspunkten auch die Verantwortung beachten, die man seinem Kind überträgt. Schließlich soll die langjährige Freundschaft oder der Familienbund durch ein Missverständnis oder Konflikt getrübt werden.
Gastfamilienwechsel?
Was wir nicht offen, aber trotzdem mal vorkommen kann, denn im Schnitt wechseln 15 % aller Teilnehmenden einmal die Gastfamilie. Was passiert bei einem Gastfamilienwechsel?
Die Gründe können ganz unterschiedlich sein, wie z.B. finanzielle Situation der Gastfamilie kann sich ändern, es kann zu Konflikten innerhalb der Gastfamilie kommen oder du/ihr Kind wird beim Rauchen hinter der Scheune erwischt. Normalerweise springt in solchen Fällen die Gastfamilie ein und kann unter Umständen mehr oder weniger sofort eine neue (Übergangs-) Gastfamilie organisieren. Dies müsste man dann aus Deutschland irgendwie bewerkstelligen oder ggf. den Schüleraustausch im schlimmsten Fall abbrechen.

Self Placement mit einer Organisation
Wer bereits eine Gastfamilie im Ausland kennt, kann den Weg des sogenannten Self-Placements wählen. Dabei übernimmt eine Organisation die rechtliche Absicherung, die Visabeantragung und die Vorbereitung. Obwohl die Familie selbst mitgebracht wird, gewähren viele Agenturen nur geringe oder gar keine Preisnachlässe, da der Organisationsaufwand für die Überprüfung der Gastfamilie nach gesetzlichen Standards sowie die fortlaufende Betreuung vor Ort weiterhin sehr hoch ist. Dennoch ist dieses Modell beliebt, da es die Sicherheit einer bekannten Umgebung mit der notwendigen bürokratischen Unterstützung eines professionellen Anbieters kombiniert und so die Hürden des F1-Visums stressfrei meistern lässt.
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